Hosting-Business verkaufen: Was Dein Unternehmen realistisch wert ist
11/09/2026 · 
Das Wichtigste auf einen Blick
Kleine Hosting-Unternehmen werden meist mit dem 0,5- bis 1,3-fachen wiederkehrenden Jahresumsatz oder dem 2- bis 3,5-fachen bereinigten Gewinn bewertet. Den Multiplikator bestimmen vor allem Kündigungsquote, Kundenkonzentration und die Frage, wie stark das Geschäft an Dir hängt. Eine WHMCS-Lizenz ist nur übertragbar, wenn Du sie gekauft und nicht gemietet hast. Beim Asset Deal müssen Deine Kunden der Vertragsübernahme zustimmen. 90 Tage Vorbereitung verbessern Deine Verhandlungsposition deutlich.
Vor ein paar Tagen habe ich einen englischsprachigen Leitfaden gelesen, wie man ein Hosting-Unternehmen mit WHMCS bewertet und verkauft. Er ist ausführlich, gut gegliedert und an einer Stelle zu optimistisch: bei den Zahlen. Dort ist von Verkaufspreisen bis zum 2,5-fachen Jahresumsatz die Rede, für spezialisierte WordPress-Hoster sogar bis zum 3,2-fachen.
Ich bin Frederick Schiwek, bei hosting.de begleite ich Unternehmenskäufe, und ich bin seit über 25 Jahren in der Hosting-Branche. Als ich die Tabellen des Originals gelesen habe, war für mich klar, dass die Spannen zu hoch angesetzt sind, besonders für kleinere Hoster mit ein paar hundert Kunden.
Dieser Artikel übernimmt deshalb die Struktur und die guten Hinweise des Originals, setzt die Multiplikatoren aber niedriger an und gleicht sie mit öffentlichen Marktdaten ab. Dazu kommen die Punkte, die in einem US-Leitfaden fehlen: DSGVO, Asset Deal nach deutschem Recht und ein genauer Blick auf die WHMCS-Lizenz.
Wie Käufer ein Hosting-Unternehmen bewerten
Käufer rechnen fast immer mit derselben Formel: Kennzahl mal Multiplikator. Welche Kennzahl sie nehmen, hängt von der Größe Deines Unternehmens ab.
Bei kleinen, inhabergeführten Hostern ist es meist der wiederkehrende Umsatz, also Deine monatlichen Einnahmen aus Hosting, Domains, E-Mail und SSL, hochgerechnet aufs Jahr. Einmalige Projekte wie Webdesign oder Umzüge zählen nicht dazu. Im Hosting wird der Preis oft auch in Monatsumsätzen ausgedrückt. Zwölf Monatsumsätze entsprechen dem 1,0-fachen Jahresumsatz.

Je größer das Unternehmen und je weniger es an Dir hängt, desto eher schauen Käufer auf den Gewinn. Bei kleineren Firmen ist das der SDE (Seller’s Discretionary Earnings): Gewinn plus Dein Inhabergehalt plus private Ausgaben, die über die Firma laufen. Bei größeren Firmen rechnen Käufer mit dem EBITDA, in dem ein marktübliches Geschäftsführergehalt bereits abgezogen ist.
| Wiederkehrender Jahresumsatz | Multiplikator auf den Umsatz | entspricht Monatsumsätzen |
|---|---|---|
| bis 250.000 € | 0,5 bis 1,0 | 6 bis 12 |
| 250.000 € bis 1 Mio. € | 0,8 bis 1,3 | 10 bis 16 |
| 1 bis 5 Mio. € | 1,0 bis 1,6 | 12 bis 19 |
| über 5 Mio. € | 1,4 bis 2,2 | 17 bis 26 |

| Gewinnkennzahl | Was drinsteckt | Richtwert |
|---|---|---|
| SDE | Gewinn plus Inhabergehalt plus private Ausgaben über die Firma | 2,0 bis 3,5 |
| EBITDA | Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, nach marktüblichem Geschäftsführergehalt | 3,0 bis 5,0 |

Das sind Richtwerte für den deutschsprachigen Markt, keine Garantie. Ein einzelnes Unternehmen kann deutlich darüber oder darunter liegen.
Warum ich die Zahlen niedriger ansetze
Diese Beobachtungen haben mich überzeugt, dass Europa bzw. Deutschland differenziert betrachtet werden sollte als zum Beispiel die USA.
Die erste betrifft die Unternehmensgröße. Laut dem European M&A Monitor von Dealsuite liegt der durchschnittliche EBITDA-Multiplikator im DACH-Raum im ersten Halbjahr 2026 bei 5,4. Erfasst sind dabei Unternehmen ab einer Million Euro Umsatz. Firmen mit 200.000 € EBITDA erzielen nach derselben Studie ungefähr die Hälfte des Multiplikators von Firmen mit 10 Mio. € EBITDA, weil Käufer bei kleinen Unternehmen mehr Risiko und die Kosten der Migration einpreisen. Ein typischer kleiner Hoster mit ein paar hundert Kunden liegt am unteren Ende dieser Skala.
Die zweite steckt im Original selbst. Dort wird ein Fallbeispiel geschildert: Einzelgründer, 680.000 US-Dollar Umsatz, 38 Prozent Marge, verkauft für das 2,25-fache des Umsatzes, also 1,53 Mio. US-Dollar. Das sind knapp sechs Jahresgewinne für ein Geschäft, das an einer einzigen Person hängt. Die monatliche Kündigungsquote gibt der Artikel mit 2,1 Prozent an und nennt sie “exzellent”. Aufs Jahr gerechnet verliert das Unternehmen damit gut ein Fünftel seiner Kunden, ich persönlich finde 20% pro Jahr existenzgefährdend.
Überhöhte Erwartungen kosten Verkäufer Zeit und manchmal den ganzen Deal. Dealsuite hat 815 M&A-Beratungen befragt: In der Hälfte der europäischen Verkaufsprozesse lagen die Preisvorstellungen der Verkäufer zu hoch, im Schnitt um 25 Prozent. In 29 Prozent dieser Fälle ist der Verkauf daran gescheitert.
Ein Rechenbeispiel
Nimm einen fiktiven Hoster. Er hat 35.000 € wiederkehrenden Monatsumsatz (MRR), eine jährliche Kündigungsquote von 8 Prozent und eine sauber automatisierte WHMCS-Installation. Den Support macht der Inhaber allein. Der SDE liegt bei 140.000 €.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Wiederkehrender Jahresumsatz | 35.000 € × 12 | 420.000 € |
| Basis-Multiplikator | Umsatzklasse 250.000 € bis 1 Mio. € | 1,0 |
| Niedrige Kündigungsquote | +0,10 | 1,10 |
| Automatische Provisionierung | +0,05 | 1,15 |
| Inhaber macht den Support allein | -0,15 | 1,00 |
| Bewertung über den Umsatz | 420.000 € × 1,0 | 420.000 € |
| Gegenprobe über den SDE | 140.000 € × 3,0 | 420.000 € |
Eine realistische Preisspanne für diesen Hoster liegt damit zwischen 380.000 € und 450.000 €. Mit den Multiplikatoren aus dem Original käme dasselbe Unternehmen auf rund 690.000 €. Die Gegenprobe über den Gewinn lohnt sich immer. Wenn Umsatz- und Gewinnrechnung weit auseinanderliegen, wird der Käufer die niedrigere Zahl nehmen. Nennen wir es einfach mal Realitäts-Check ;) für den Verkäufer.
Was den Multiplikator nach oben oder unten schiebt
| Faktor | hebt den Preis | drückt den Preis |
|---|---|---|
| Kündigungsquote | unter 10 Prozent pro Jahr, nach Jahrgängen belegt | über 20 Prozent pro Jahr oder steigend |
| Kundenkonzentration | kein Kunde über 3 Prozent vom Umsatz | die fünf größten Kunden über 25 Prozent |
| Inhaberabhängigkeit | Team oder Dienstleister übernimmt den Support | Verkäufer ist Support, Technik und Buchhaltung in einer Person |
| Automatisierung | WHMCS o.Ä. mit automatischer Provisionierung, Mahnwesen und Backups | manuelle Anlage, Skripte, die nur Du verstehst |
| Umsatzqualität | Hosting, Domains und E-Mail als Paket | hoher Anteil einmaliger Projekte |
| Technik | aktuelle Control Panels, dokumentierte Server | Altsysteme ohne Sicherheitsupdates |
Bei der Kündigungsquote lohnt sich Genauigkeit. 2 Prozent pro Monat klingen harmlos, aufs Jahr gerechnet sind es rund 22 Prozent. Verstehe als Käufer und Verkäufer immer, welcher Zeitraum gemeint ist, 12 Monate Entwicklung sehe ich persönlich als schwierig an, ein längerer Zeitraum bedeutet für den Käufer mehr Sicherheit, und zeigt dass der Verkäufer nichts zu verstecken hat.
Achte auch auf Vorauszahlungen. Viele Kunden im deutschen Markt zahlen jährlich im Voraus. Für den Käufer ist das Geld, das Du schon kassiert hast, während er die Leistung noch erbringen muss. Dieser Teil wird beim Abschluss in der Regel verrechnet und mindert den Betrag, der bei Dir ankommt.
WHMCS bei der Übergabe
Im Original steht, WHMCS-Lizenzen ließen sich einfach auf den neuen Inhaber übertragen. Laut den Nutzungsbedingungen von WHMCS stimmt das nur eingeschränkt. Übertragbar sind ausschließlich gekaufte Lizenzen (Owned License), und zwar einmal pro Lizenzschlüssel, frühestens drei Monate nach dem Kauf und gegen eine Gebühr. Gemietete Lizenzen (Leased License) sind grundsätzlich nicht übertragbar, ebenso gekaufte Lizenzen, die Du über einen Reseller bezogen hast. Es ist wichtig, dass Du als Verkäufer verstehst was Du übertragen kannst oder darfst. Der Käufer (so auch wir die hosting.de GmbH), werden immer in den Vertrag schreiben, dass Du alles an uns überträgst, was zum wirtschaftlichen Erfolg oder zum Verkauf der Produkte beigetragen hat. Deswegen überprüfe Deine Lizenzverträge, rufe im Web die AGB bzw. Terms & Conditions auf und suche über (CTRL+F) nach Übertragen, Transfer oder Reassign.
Das hat praktische Folgen. Beim Share Deal bleibt die Lizenz erhalten, sofern sie auf die Firma läuft, die verkauft wird. Beim Asset Deal mit Mietlizenz importiert der Käufer Deine Kunden in sein eigenes System. Kläre deshalb früh, welchen Lizenztyp Du hast.
Auch innerhalb von WHMCS ist ein Umzug kein Selbstläufer. Wenn Du einen Dienst auf ein anderes Kundenkonto verschiebst, bleiben die alten Rechnungen beim ursprünglichen Konto, und die Hosting-Accounts auf den Servern ändern sich dadurch nicht. Domains ziehen per AuthCode zum Registrar des Käufers um. Wie ein ausgehender Transfer abläuft, beschreiben wir in unserem Helpdesk-Artikel zum Domain-Transfer zu einem anderen Anbieter.
Asset Deal oder Share Deal
| Asset Deal | Share Deal | |
|---|---|---|
| Was verkauft wird | Kundenverträge, Domains, Technik, Marke | die Anteile an Deiner GmbH mit allem, was darin steckt |
| Kundenverträge | Kunden müssen der Übernahme zustimmen | laufen unverändert weiter |
| Alte Verbindlichkeiten | bleiben weitgehend bei Dir | gehen mit der Firma über, abgesichert über Garantien |
| Mitarbeitende | gehen bei einem Betriebsübergang nach § 613a BGB mit über | bleiben bei der Firma angestellt |
| Form | Kaufvertrag | notarielle Beurkundung der Anteilsübertragung |
| Typisch für | Einzelunternehmen, Agenturen mit Hosting-Sparte | GmbHs mit eigenem Team und eigenen Verträgen |
Beim Asset Deal kommt der Datenschutz ins Spiel. Die Datenschutzkonferenz (DSK) hat ihre Linie dazu im September 2024 aktualisiert. Vor der Unterschrift unter den Kaufvertrag darf der Verkäufer Kundendaten grundsätzlich nur mit Einwilligung weitergeben. Für die Prüfung durch den Käufer reichen anonymisierte oder zusammengefasste Auswertungen aus WHMCS. Laufende Verträge gehen nur mit Zustimmung der Kunden über. Für Daten ehemaliger Kunden lässt die DSK eine Widerspruchslösung mit einer Frist von etwa sechs Wochen zu. Lass diesen Teil von einer Anwältin oder einem Anwalt mit Datenschutzerfahrung aufsetzen. Die meisten AGB haben einen Passus, welchen den Transfer erlauben.
Auch steuerlich unterscheiden sich die Wege. Beim Verkauf eines Einzelunternehmens können ab 55 Jahren unter bestimmten Voraussetzungen ein Freibetrag und ein ermäßigter Steuersatz greifen, beim Verkauf von GmbH-Anteilen gilt meist das Teileinkünfteverfahren. Sprich mit Deiner Steuerberatung, bevor Du Dich auf eine Struktur festlegst.
90 Tage Vorbereitung
Die meisten Punkte auf dieser Liste kannst Du angehen, bevor Du mit einem einzigen Käufer sprichst.
| Zeitraum | Aufgabe | Was Käufer sehen wollen |
|---|---|---|
| Woche 1 bis 4 | Zahlen sauber trennen | drei Jahre Abschlüsse, Umsatz nach Produkt, private Kosten herausgerechnet |
| Woche 5 bis 7 | Kundendaten aus WHMCS ziehen | aktive Kunden je Produkt, Kündigungen pro Monat, größte Kunden, Zahlungsarten |
| Woche 8 bis 10 | Betrieb dokumentieren | Serverliste, Verträge mit Rechenzentrum und Registrar, Abläufe für Support und Abuse |
| Woche 11 bis 13 | Dich selbst herausnehmen | Support übergeben, Ticket-Rückstau abbauen, bekannte Probleme lösen |
Halte den Betrieb während des Verkaufs stabil. Ein Serverausfall mitten in der Prüfung oder eine plötzliche Kündigungswelle senkt den Preis schneller als jede Verhandlung.
Wer Dein Hosting-Business kauft
Strategische Käufer sind andere Hoster und Registrare. Sie zahlen für Kunden, die zu ihrer Plattform passen, und können die Migration selbst stemmen. Finanzinvestoren bauen Plattformen durch Zukäufe auf und interessieren sich meist für größere Unternehmen. Privatkäufer übernehmen auch kleine Hoster und brauchen oft keine längere Einarbeitung.
Beim Vertrag geht es um mehr als den Preis. Laut Dealsuite setzen Käufer immer häufiger auf Earn-outs, bei denen ein Teil des Kaufpreises erst später und abhängig von der Entwicklung fließt. Wenn Du Dich darauf einlässt, begrenze den Anteil und leg die Messgrößen genau fest. Rechne außerdem mit einer Übergabephase von einigen Wochen und einem Wettbewerbsverbot für die Zeit danach.
Auch hosting.de kauft Hosting-Unternehmen, Registrar-Geschäfte und Kundenstämme von Agenturen, als Asset Deal oder als Share Deal. Wenn Du wissen willst, wo Dein Unternehmen steht, sprich unverbindlich mit mir.
Fazit
Wenn ich aus dem Original und meiner Überarbeitung eine Zahl mitnehme, dann die aus dem Rechenbeispiel. Ein Hoster mit 420.000 € wiederkehrendem Umsatz ist realistisch eher 420.000 € wert als 690.000 €. Wenn Du mit dieser Zahl in die Verhandlung gehst, schützt Dich das vor überhöhten Preisvorstellungen, einem der häufigsten Gründe, an denen Verkäufe scheitern.
Wenn Du heute, in einem oder in zwei Jahren verkaufen willst, fang mit der Kündigungsquote und der Dokumentation an. Aus meiner Sicht bewegen diese beiden Punkte den Preis stärker als alles andere auf dieser Liste.
Häufige Fragen
Wie viel ist ein kleines Hosting-Unternehmen wert? Kleine Hoster mit bis zu 250.000 € wiederkehrendem Jahresumsatz liegen meist beim 0,5- bis 1,0-fachen dieses Umsatzes, also bei sechs bis zwölf Monatsumsätzen. Niedrige Kündigungsquoten und ein Betrieb, der ohne den Inhaber läuft, schieben den Wert nach oben.
Wie lange dauert der Verkauf eines Hosting-Unternehmens? Von der Entscheidung bis zum Abschluss vergehen in der Regel vier bis neun Monate. Gut vorbereitete Unterlagen verkürzen vor allem die Prüfung durch den Käufer.
Kann ich meine WHMCS-Lizenz an den Käufer übertragen? Nur eine gekaufte Lizenz, einmal pro Lizenzschlüssel, frühestens drei Monate nach dem Kauf und gegen Gebühr. Gemietete Lizenzen und über Reseller bezogene Lizenzen sind nicht übertragbar.
Muss ich meine Kunden über den Verkauf informieren? Beim Asset Deal ja, weil Kunden der Übernahme ihrer Verträge zustimmen müssen. Beim Share Deal bleibt der Vertragspartner dieselbe Firma, eine offene Information ist trotzdem sinnvoll.
Was ist besser, Asset Deal oder Share Deal? Der Asset Deal eignet sich für Einzelunternehmen und Agenturen mit Hosting-Sparte, der Share Deal für GmbHs mit eigenem Team. Die Wahl hat Folgen für Haftung, Datenschutz und Steuern, deshalb gehört sie früh in das Gespräch mit Deiner Steuerberatung.
Grundlage: Sumit Pradhan, “How to Value and Sell a WHMCS Hosting Business: The Complete 2026 Guide”, HostBillingPro, Juni 2026. Ergänzt um Dealsuite European M&A Monitor (September 2025 und September 2026), den Beschluss der Datenschutzkonferenz vom 11. September 2024 und die Terms of Service von WHMCS. Und natürlich die eigene Erfahrung.



